Sonntag, 10. Juli 2011

Färben mit Naturfarben

Nach einer Woche intensiven Färbens muss ich natürlich über meine Ergebnisse berichten: Ich bin begeistert!!! Das Färben mit Naturprodukten ist ganz anders als mit Ostereierfarben oder den pulverisierten Säurefarben, welche ich bis jetzt immer benutzt habe. Die Ergebnisse sind mit viel mehr Überraschungen verbunden und ich will noch viel mehr ausprobieren.
Aber von Anfang an: Ich hatte begonnen, meine Wolle (Merino Kammzug und Eiderwolle im Kammzug bzw. gesponnen) zu beizen. In meinem großen Kochtopf habe ich 15 g Alaun mit viel Wasser zum Kochen gebracht und darin dann die Wolle 1 Stunde geköchelt. Da ich nur über einen 5-Liter-Topf verfügte, wurde mir das ziemlich schnell zu blöd, wenn man nur 150 - 200 g Wolle auf einmal verarbeiten kann. Ein neuer, grösserer Topf musste her!

Womit habe ich  nun gefärbt?
Zuerst habe ich Rittersporn-Blüten (aus einem Blumenstrauss) auf Seide im Verhältnis 1:1 ausprobiert, die Seide hat 30 Minuten in der Farblösung bei ca. 75°C vor sich hin geköchelt. Nach einer Essigspülung hatte ich ein ganz zartes Blau fabriziert:

Dann habe ich mich auf die Stockrosen gestürzt, die ich schon über Nacht eingeweicht hatte. Die 335 g frischen Blüten wurden dann zusammen mit 230 g Wolle zum Kochen gebracht und 2 Stunden geköchelt. Das Ergebnis war für mich enttäuschend, ich hatte eine dreckige braun-beige Farbe mit Grünstich fabriziert. Bäh! Ich beschloss, bis auf einen Strang alles zu überfärben.
Dann hatte ich mit meinem Mann zusammen 300 g Johanniskrautblüten gesammelt, diese wurden mit reichlich Wasser 1 Stunde gekocht. In diesem Sud habe ich dann die gesponnene Eiderwolle und zwei 50 g Merino-Kammzüge gefärbt. Dies wurde nun wieder recht interessant, denn das senfige Gelb hatte rotbraune Einschläge, wo die Wolle direkten Kontakt mit dem Färbebeutel hatte. Cool!
Ach ja, ich habe meine Kammzüge immer locker zu einem Zopf geflochten, damit das nicht zu lose wird und die Farbe unterschiedlich aufgenommen werden kann. Mir gefällt das beim Spinnen einfach viel besser!
Auf diesem Bild kann man sehr gut die einzelnen Färbungen sehen: Von links nach Rechts ein ungefärbter Kammzug, Johanniskraut auf Kammzug und gesponnener Wolle, Stockrosenfärbung und Rittersporn.

Weil ich in meinem Vorratsschrank noch verschiedene Tees gefunden habe, mit denen man färben kann, musste ich am nächsten Tag gleich weiter machen. Ausserdem habe ich mit meinem Mann ganz viel Färberkamille gesammelt (das wächst hier wie Unkraut) und ein Päckchen Henna zum Haarefärben fand ich auch noch. Also wieder ein anstrengender Tag!

Das Henna wurde einfach kurz eingeweicht (ich habe es in einen Nylonstrumpf gepackt, damit die Sauerei nicht ganz so schlimm wird), dann 30 Minuten geköchelt und darin dann einen Kammzug Merino von der Stockrosenfärbung überfärbt und einen ungebeizten Eiderwollekammzug. Nach einer Stunde Überfärbung und 30 Minuten ungebeizter Färbung hatte ich dann zwei wunderschöne Brauntöne erzeugt.
Schafgarbentee ist nicht so ganz mein Geschmack, aber mit Schafgarbe kann man färben. Der Tee wurde über Nacht eingeweicht, dann eine Stunde gekocht, abgeseiht und in einen Färbebeutel eingebunden. Dem Färbesud habe ich 15 g Eisensulfat zugegeben und dann 50 g gebeizten Merinokammzug zugegeben. Nach 15 Minuten hatte ich ein schönes Olivgrün!

Ebenso verfuhr ich mit Frauenmanteltee, der ergab nach 1 Stunde Farbbad ebenfalls ein grünliches Beige-Oliv.
Krauser Ampfer, Färberkamille, Frauenmantel
 Ein weiteres Experiment war der krause Ampfer, von dem ich die Samenstände gesammelt habe (knapp 500 g). Die Samenstände habe ich 1 Stunde kochen lassen, dann wurde Merinokammzug (mit 20% Alaun gebeizt) darin ca. 1 Stunde mit einem Färbebeutel gekocht. Ein zitroniges aber leicht dreckiges Gelb war das Ergebnis.

Das schönste Resultat habe ich mit der Färberkamille erreicht. Von dieser Pflanze hatte ich 525 g Blüten gesammelt und diese 1 Stunde gekocht. Dann habe ich im Sud (ohne Färbebeutel) 100 g Merinokammzug und ca. 70 g Eiderwollekammzug 1 Stunde geköchelt und diese Farbe war grandios! Quietschgelb!!! Wunderbar!!!
Ich habe den Färbebeutel wieder in den Topf geworfen und nochmal 150 g Merino damit gefärbt. Dann hatte ich einerseits kaum noch Färbewolle übrig und andererseits nach so viel Arbeit keine Lust mehr.

Das Ergebnis meiner Färberei von einer Woche:

Irgendwie frage ich mich jetzt, warum die meisten Pflanzen immer nur gelb, braun und grün ergeben. Da muss doch noch mehr gehen! Ich will mir unbedingt nun Blauholz, Krapp und ähnliches besorgen.

Tour de Fleece
ganz viel Eiderwolle zu dickem Garn versponnen

Eiderwolle und Seidenhankies (auf der Spindel)

Kardierte Batts aus Merino mit Glitzer, Merino mit Sarisilk, gesponnen für den Swap

Merinokammzug von Wollknoll
Ich habe gesponnen wie blöde! Und dabei auch noch viel gelernt: Ich will noch ein Spinnrad (Majacraft Rose oder Schacht Matchless) und die Spindel ist nichts für mich!

Kommentare:

tierische-strickoper hat gesagt…

Hallo Rikka
Oh, ich habe da glaube ich, einiges
verpasst! Vom Färben verstehe ich gar
nichts aber es sieht gut aus!
Das Shirt sowie der Wollrestenkorb,
sind Klasse!
Liebe Grüsse maggy

Anonym hat gesagt…

Das haltbarste Gelb bzw. Grün aus Pflanzen erhält man mit Reseda luteola (Färberwau). Generell sind die Gelbs zwar in der Regel gut waschecht, aber nicht sehr lichtecht. Reseda ist da noch am besten.
Auch sehr schöne bzw. auch je nach Wasser schrille Gelbs und Grüns bekommt man aus Birkenblättern (hier besonders die frischen in Mai/Juni gepflückten, 200% des Wollgewichts verwenden) und Rainfarn. Lichtechtheit ist nicht ganz so gut wie bei Wau, aber schick sindse :-)

Die sowohl in Lichtechtheit als auch Waschechtheit besten Farben gibts aus Krapp und Indigo (egal ob das nun welcher aus der Indigopflanze ist oder aus Waid). Indigo hat halt nur den Nachteil der etwas komplizierten Färbung (weil Küpenfärbung und keine Beizenfärbung).

Ich färb auch sehr gerne und wünsch Dir auch weiterhin viel Spaß damit!